Wie schon im letzten Jahr stand auch in diesem Jahr das Bergwandern in Österreich auf dem Urlaubsplan. Genauer gesagt: in Osttirol, im Nationalpark Hohen Tauern, Hochschobergruppe.
Geplant waren ein Hochgebirgstour mit einer Länge von ca. 50 km mit 5 Hüttenübernachtungen. Es galt auf diesem Weg ca. 5420 Höhenmeter zu überwinden.
So der Plan ...
... hier die Tat:
Erster Tag (23.08.09): Der Aufstieg
Früh morgens ging es mit dem Auto zum Aufstiegsparkplatz am Lucknerhaus auf 1918 Metern. Trotz des noch jungen und auch frischen Morgen war der Parkplatz bereits gut beparkt und somit schwierig einen adäquaten Parkbucht zu finden. Dies war zum einen dem Wochenende, zum anderen dem sehr schönen Wetter geschuldet. Der wolkenlose, strahlend blauer Himmel lud förmlich dazu ein den Aufstieg zur Glorerhütte in Angriff zu nehmen.
Kappe auf den Kopf, Bergschuhe an die Füße ...
... den 10 Kilo schweren Rucksack auf den Rücken ...
Vom Lucknerhaus geht es schwer bepackt und mit Wanderstöcken bewaffnet in den Einstieg.
Bis zur ersten Hütte sind es 4 Kilometer mit ca. 730 Höhenmeter über begrünte Berghänge mit fortwährenden Blick auf den Großglockner. So wie auf dem Streckenplan angegeben brauchten wir für die Wegstrecke etwas weniger als 2 Stunden.
An diesem Tag veranstaltete der Hüttenwirt ein Fest zu dem die einheimischen Schafhirten geladen waren, dazu gesellten sich einige Tagesgäste. Neben viel Bier und warmen Speisen - die mit Hilfe der angeschlossenen Seilbahn aus dem Tal hinauf befördert wurden - gab eine mit traditionellen Instrumenten ausgestattete "Band" österreichische Volksweisen zum besten.
Auf eine erholsame Nacht und bis morgen in aller Frühe.....
Zweiter Tag (24.08.09): Der Durchstieg
Kurz bevor in den Bergen die Morgendämmerung die tiefschwarze Nacht ablöst, erwacht in der Hütte das Leben. Nach und nach schälen sich die Schläfer aus ihren Hüttenschlafsäcken um im Waschraum die Morgentoilette zu verrichten. Schnell ist die Hütten- und Schlafbekleidung wieder im Rucksack verstaut, das Lager in den Ursprungszustand versetzt, die Wanderbekleidung übergestreift und die unbedeckten Hautpartien mit Sonnencreme (Faktor 30) vor der Höhensonne geschützt. Wer noch bis dahin untypischerweise geschlafen hat - die Hüttenruhe endet meist gegen 6 Uhr in der Früh - , wird spätestens jetzt gnadenlos durch das Fußgetrampel auf dem Holzboden und dem Rascheln der Plastiktüten geweckt. Um 7 Uhr sind dann die meisten Wanderer in der Gaststube um das
Frühstück, bestehend aus einigen Scheiben Brot, ein wenig Käse, Wurst, Butter, Marmelade, sowie Kaffee oder Tee zu sich zu nehmen. Eine Stunde später standen wir bepackt vor der Hütte um die nächste Etappe in Angriff zu nehmen. Während im Tal noch die Nebel hängen, bewegen wir uns unter einem strahlend blauen Himmel vorwärts. Es geht über Rasenflanken und Gerölllawinen um das Kasteneck herum, vorbei an kläglich geschrumpften Schneefeldern, hinauf zum Peischlachtörl auf 2490 Meter. Nun galt es sich zu entscheiden, welchen Weg wir zum Kesselkeessattel einschlagen wollen: über den "Wiener Höhenweg" oder über das "Böse Weibl" (3121 Meter). Letztendlich entschieden wir uns für den nicht weniger anspruchsvollen Wiener Höhenweg, da wir das Hinabsteigen vom Bösen Weibl mit schweren Gepäck für zu gefährlich erachteten. Nun ging es stetig bergauf um von 2490 Meter auf 2926 Meter zu gelangen. Die letzte Vegetationsgrenze ist längst überschritten, nur einige Flechten und Moose halten sich an den Steinen, einige einsame dunkelblaue Enziane wirken wie Farbtupfer in der von grau dominierten Bergwelt.Schritt für Schritt ...
... rückt sie näher ...
... bis man dann schon vor der Hütte sitzt!
Fazit des heutigen Tages: 11 Kilometer Fußmarsch in 6 1/2 Stunden mit Überwindung von 1168 Höhenmetern.
Na dann: Morgen auf ein Neues!!!
Dritter Tag (25.08.09): Hinauf den Berg, hinab ins Tal
Der heutige Tagesabschnitt soll uns zur Lienzer Hütte auf 1977 Metern bringen, das Tageshighlight ist der Übergang der Gößnitzscharte (2737m) . Kurz vor acht Uhr verlassen wir die Elberfelder Hütte und beginnen mit dem Aufstieg zur besagten Scharte.
Die Nacht war wie üblich kurz, denn trotz der 8 Stunden Schlaf die man im theoretischen Falle zu sich nehmen kann, schläft man im Durchschnitt 4 Stunden. Den Rest der Zeit erwartet man sehnlichst das Erwachen des Morgen. Wieso die eigentliche Schlafphase so kurz ist mag an verschieden Faktoren liegen, sicherlich spielt die Höhenlage - und der damit höhere Druck und der geringe Sauerstoffgehalt der Atemluft - und die Menge an Menschen im Lager eine entscheidende Rolle. Zumindest ist trotz des wenigen Schlafes der Körper und der Geist am Morgen zu 100% ausgeruht und das ist am Ende ja das Wichtigste.
Wie schon die beiden Tage davor, zeigt sich auch heute das Wetter wieder von seiner besten und schönsten Seite. Beschwingt geht es in den steilen Aufstieg, denn es gilt in den 2 km bis zur Gößnitzscharte ca. 400 Höhenmeter zu überwinden. Das Bild ähnelt dem vom Vortag: Blockgestein, Blockgestein und Blockgestein, mit großen und kleinen Spalten dazwischen. Es geht vorbei an kleinen Gletscherseen und noch kleineren Schneefeldern. Bis es nach gut 2 Stunden geschafft ist:
Wie es die Tradition verlangt werden ein paar Trockenfrüchte und Müsliriegel gegessen und
... ein guter Platz gewählt um ...
... das einmalige Panorama zu genießen, bevor ...
Der Abstieg gestaltet sich recht einfach und so langsam wird der Boden vor uns Grün, bis wir über hartes Alpengras wandern. So geht es fast 2 Stunden, bis wir zu einem relativ großen, zur Mitte hin tiefen, mit Gletscherwasser gefüllten "Salzsee" kommen. Da es noch nicht einmal Nachmittag ist und die Hütte in Reichweite, entschließen wir uns an diesem idyllischen Ort eine weitere Rast einzulegen:
... so ein See ist immer voller Überraschungen ...
... hier sind Frösche in den unterschiedlichsten Entwicklungsstadien ...
... leider nicht mit auf den Bildern die scheuen Molche ...
... dafür Frösche auf der Hand ...
Aber nicht nur die Frösche ließen sich auf der Hand nieder wie die folgende Fotostory zeigt:
Ein Schmetterling in Seenot
Ein Schmetterling wollte Wasser trinken, drum flog er auf einen flachen Stein im See. Während er trank wurde er von einer Windböe ins Wasser geweht. Mit aller Kraft kämpfte er gegen das Wasser um wieder auf den Stein zu kommen, doch vergebens. Doch es sollte nicht sein Ende sein, denn ein menschlicher Retter eilte zur Hilfe und ließ den durchnässten Schmetterling auf seinen Finger krabbeln...
... erst einmal leicht trocken pusten ...
... schon kann der Schmetterling seine Beine wieder bewegen ...
... nur die Flügel kleben noch nass zusammen ...
... etwas schwer fällig hebt es sein Köpfchen ...
... bevor es sich wieder auf den warmen Fingern gemütlich macht ...
Anfänglich wollte der Schmetterling nicht mehr von mir weg, doch nachdem er gut durch getrocknet war versucht er sich in den ersten Flugaktionen. Leider hatte er noch zu viel Feuchtigkeit am Körper, doch letztendlich verließ er meine Hand mit schwachem Flügelschlag. Wenn ihn keiner seiner Fressfeinde gefressen hat, dann wird er heute wieder vergnügt durch die Bergwelt fliegen. :)
Nach diesem kurzweiligen Aufenthalt geht es nun doch weiter Richtung Hütte. Durch ihren Talanschluss ist die Lienzer Hütte an das Stromnetz angeschlossen und so ist es möglich mit heißem Wasser zu waschen...was für ein Luxus! Bevor es aber soweit ist, müssen noch etwas weniger als 2 Stunden gelaufen werden. Doch schon wie am Tag zuvor ist die Hütte vom weitem sichtbar:
... idyllisch schlängelt sich der Fluss durch das Tal ...
... vorbei an der Hütte, durch alte Lärchenbaumbestände
Vierter Tag (26.08.09): Die Luft wird dünner




... Schritt für Schritt ...
... gewinnen wir langsam an Höhe ...

... und der Sauerstoffgehalt in der Luft verringert sich ...

... doch am Ende ist es vollbracht und es ist Zeit etwas Energie zu tanken!
Die letzte Nacht war die geruhsamste Nacht bei dieser Wanderung. Dies liegt daran, dass wir ein 6 Bettzimmer ergattern konnten und somit nur drei Mitschläfer hatten. Unsere drei Mitschläfer kommen aus Südtirol und sehen mehr wie Italiener aus, als der typische Österreicher. Drei ganz angenehme, ruhige Zimmergenossen, die wie wir um 6 Uhr aufstehen wollten. Absprache ist Absprache, so sind wir um 6 Uhr aus dem Bett und marschbereit mit vollem Magen um 7:30 vor der Hütte.
Wie das immer ist, wer am Vortag einige Höhenmeter absteigen muss, muss in den meisten Fällen auch wieder hinauf. In diesem Fall sind es 766 Höhenmeter bis auf die Mirnitzscharte. Während es anfänglich nur über grüne Almwiesen geht, weichen diese nach und nach zurück und man wandert wieder durch das alt bekannte Landschaftsbild ...
.... Grün-Grau und oben viel Blau! Links im Bild ist schon die Mirnitzscharte zu sehen, ein weiterer schweißtreibender Aufstieg über einen steilen Geröllhang.
... Schritt für Schritt ...
... gewinnen wir langsam an Höhe ...
... und der Sauerstoffgehalt in der Luft verringert sich ...
... doch am Ende ist es vollbracht und es ist Zeit etwas Energie zu tanken!
Dieser Aufstieg war für mich persönlich der Härteste und Anstrengendste, da sich die Höhe von fast 3000 Metern und die sommerlichen Temperaturen bei jedem Schritt bemerkbar gemacht haben. Das Herz schlägt schneller, der Puls rast und man wird zeitweise kurzatmig, denn die Luft ist spürbar dünn in diesen Höhen. Der Körper braucht einige Zeit um sich auf die veränderten Bedingungen einstellen zu können, dazu kommen noch die 10 Kilo Gepäck auf dem Rücken. Aber Sport ist bekanntlich Mord und wer nicht wenigsten ein bisschen Spaß daran hat sich selbst zu quälen, der sollte bestimmte Sportarten nicht ausüben. ;)
Nach kurzer Rast - denn hoch oben weht gern ein kühler Wind - wird der Abstieg vorgenommen. Diesmal liegen vor uns kein Blockgestein oder leicht begehbare Rasenflächen, sondern extrem lockere Gesteinsmassen. Jeder Tritt muss kontrolliert gesetzt werden, denn sonst besteht die akute Gefahr mit dem Abhang abzurutschen. Glücklicherweise sind wir alle wohlbehalten am Fuße des Abhangs angekommen. Doch das sollte nicht die letzte Übung gewesen sein, denn nun folgte großes Blockgestein über das wir einen sicheren Weg finden müssen. Die Wegmarkierung gibt hier nur die Richtung an, weniger den genauen Weg. Diesen muss sich jeder selber suchen, ansonsten besteht die Gefahr in eine Felsspalte zu fallen. Und so springt man streckenweise wie die Berggämse von Stein zu Stein. Die Belohnung dafür ist der Schlafplatz in der Hochschoberhütte:
Erst geht es durch das weite Tal in dem auch die Hochschoberhütte liegt bis zum ersten Anstieg hinauf auf das Leibnitztörl auf 2591 Meter. Die ersten 269 Höhenmeter sind in der wärmenden Morgensonne schnell geschafft, das letzte Stück muss über einen sogenannten Klettersteig bewältigt werden:
so sieht er aus der Klettersteig ...
... Rechts an das Drahtseil packen ...
... dann den Fuß auf die erste Sprosse ...
... zweite und dritte Sprosse ...
... und etwas später: geschafft!
Hinter dem Leibnitztörl befindet sich ein Hochplateau mit dem glasklaren Gartlsee, umgeben von groben Steinblöcken über die wir hinweg laufen:
Nach kurzem Verschnaufen geht es noch ein Stückchen höher, um auf der anderen Seite des Berges hinab steigen zu können, da der direkte Weg ins Tal über ein ausgewachsenes Schneefeld geführt hätte. Der Weg besteht aus einem extrem schmalen Pfad über rutschiges Gestein, immer am Rand des Schneefeldes entlang.
Schritt für Schritt, Kilometer für Kilometer geht es Stunden um Stunden die Berge hinab. Die kahlen Felsen hinter uns, die grünen Nadelwälder vor uns. Während wir auf den Höhen immer eine kühlende Brise um die Nase hatten, schlägt uns aus den Wäldern tropische feucht-heiße Luft entgegen. Gegen 15 Uhr sind wir auf 1500 Metern angekommen und haben somit über 2000 Höhenmeter an diesem Tag überwunden. Am Tagesziel der Lesachalmhütte - die so nah der Zivilisation ist, dass viele turnschuhtragende Tagesgäste sie aufsuchen - genehmigen wir uns ein von der Bewirtschafterin gebackenes Stück Kuchen und beschließen die restlichen Kilometer bis ins Tal hinab zu steigen um anderen Wanderern unseren Schlafplatz zu überlassen. Der Weg in die Zivilisation ist einfach zu begehen und endet in einer Forststraße, die uns in ein Dort führt. Geplant ist mit dem Bus von dort zu unserm Auto zu fahren, doch wir wir kommen zu spät an die Bushaltestelle. Nach 16:30 fährt kein einziger Bus mehr, zumal in Österreich Schulferien sind. Es bleibt uns somit nichts anderes übrig, als von einem Gasthaus aus ein Taxi zu bestellen. Und so gelangen wir geschwind wieder zum Parkplatz und unserem Auto.
Fazit der Tour:
Fazit der Tour:
6 Tage, ca. 5420 Höhenmeter, ca. 50 Kilometer Weg.
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